Ölpreis erreicht 100-Dollar-Marke
03.01.2008 | (DiePresse.com)

Geopolitische Unruhen und die Angst vor einer Rezession gelten als Auslöser für den Anstieg.

Als Hauptursache sehen Analysten geopolitische Unruhen, vor allem in Nigeria, Algerien und Pakistan. Nigeria zählt zu den zehn größten Öl-Exporteuren der Welt und ist der größte Produzent Afrikas. Immer wieder kommt es zu Anschlägen mutmaßlicher Rebellen. Am Neujahrstag wurden 18 Menschen bei einem Angriff auf den nigerianischen Ölhafen Port Harcourt getötet. Auch aus Algerien werden regelmäßig Anschläge auf Mitarbeiter von Ölfirmen vermeldet.

Pakistan zählt zwar nicht zu den größten Ölproduzenten der Welt. Doch fürchten viele Experten, dass die verschobenen Wahlen in der Atommacht für weltpolitische Spannungen sorgen könnten. Politische Unsicherheiten treiben den Ölpreis meist nach oben, weil der Rohstoff als Trumpf im Machtkampf eingesetzt werden könnte.

Schlechte Wirtschaftsdaten

Hinzu kamen zum Jahresbeginn enttäuschende Wirtschaftsdaten aus den USA. Der an den Aktienmärkten viel beachtete Konjunkturindex der Einkaufsmanager über die Entwicklung des künftigen Geschäfts fiel den sechsten Monat in Folge und markierte den niedrigsten Stand seit 2003. Deshalb kamen erneut Rezessionsängste auf, die Aktienkurse an der Wall Street gaben deutlich nach.
Unsicherheit an den Aktienmärkten erhöht die Nachfrage nach Öl und Gold, weil Anleger nach alternativen Investmentmöglichkeiten suchen. Die einzigen Aktien, die in der Regel vom hohen Ölpreis profitieren, sind jene der Ölmultis wie BP, Shell und Exxon.


Prinzipiell "kommt aber definitiv frisches Geld in den Ölmarkt, weil die Situation an den Börsen derzeit nicht gerade rosig aussieht", sagte Mark Matthias von der Investmentgesellschaft Dawnay Day Quantum. Er erwartet, dass der Anstieg des Ölpreises zumindest in nächster Zeit noch weitergeht und hält einen Preis von über 110 Dollar für realistisch.

Außer den erwähnten Fakten, die für eine weitere Teuerung von Rohöl sprechen, spielt auch die Psychologie eine Rolle. "Zwar hat bereits jeder seit Anfang Dezember nur noch darauf gewartet", sagt Rick Müller von der auf Energie spezialisierten Forschungsgesellschaft Energy Security Analysis. "Doch trotzdem ist das Überschreiten der 100 Dollar Marke ein psychologischer Meilenstein." Deshalb hält auch Müller einen weiteren Anstieg für sehr wahrscheinlich.

Situation so dramatisch wie 1980

Somit dürfte der extreme Preisanstieg für Rohöl also im heurigen Jahr seine Fortsetzung des Vorjahres finden. Ende 2007 kostete ein Barrel der Marke Light Sweet Crude um 57 Prozent mehr als zu Jahresbeginn. Selbst wenn man die Inflation herausrechnet, ist der derzeitige Ölpreis mittlerweile fast der höchste der Geschichte. Im Jahr 1980, als der Krieg zwischen den OPEC-Staaten Iran und Irak ausbrach, kostete das Barrel _ auf den heutigen Preis umgerechnet _ 101,70 Dollar.
Darauf folgte allerdings ein starker Rückgang des Preises auf 84,73 Dollar im Jahr 1981. Der Beginn der 1980er Jahr gilt nach wie vor als die Zeit der großen Ölkrise. Verursacht wurde diese _ außer dem Iran-Irak Krieg _ durch ein Jahrzehnt der Instabilität in den wichtigsten Öllieferanten des Nahen Ostens, unter anderem dem arabisch-israelischen Krieg 1973 sowie der iranischen Revolution 1979.

China und Indien als "Gefahr"

Das größte Problem für die Energieversorgung der kommenden Jahre dürften allerdings weder geopolitische Unruhen noch Kursstürze an den Börsen sein. Das schnelle Wirtschaftswachstum in China und Indien könnte die Ölreserven schneller als erwartet ausschöpfen. Die Internationale Energieagentur warnte kürzlich davor, dass der weltweite Energiebedarf bis 2030 um mehr als 50 Prozent zunehmen werde.