Waidhofen-Headline

Maturafeier

Der Jahrgang 1957 des BRG Waidhofen/Thaya feiert sein 50-jähriges Maturajubiläum

Vielen war klar, manche hatten es verdrängt oder auch vergessen, einmal wird es soweit sein – 50 Jahre sind seit der Matura vergangen.
Heute ist der 1.Juni 2007 - vor genau 50 Jahren haben wir unsere Reifeprüfung abgelegt.
Es war klar, so einen Tag kann man nicht so ohne weiteres vorübergehen lassen auch wollten viele ihre Klassenkameraden wieder einmal sehen.
Doch wie kann man 20 Pensionisten an einem Tag zur gleichen Zeit ins Waldviertel bringen – noch dazu für 3 Tage – wo doch alle Waidhofen längst verlassen haben.
Die Aufgabe war wahrlich nicht leicht: Ein für alle interessantes Programm, Quartiere, Tische in Gaststätten reservieren und vor allem, die Besichtigung unsere alten Schule, zu managen.
Dass letztlich alles geklappt hat, veranlasste unseren Organisator zu der Aussage, er werde sich jetzt um einen Job in der Reisebürobranche bemühen.

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Auf dem Weg zur Klassenfeier bewegte uns die bange Frage: Wird der Anblick der alten Frauen und Männer, die uns erwarten, gnadenlos an das eigenes Aussehen und Alter erinnern? Mit Hallo, Umarmungen und Küsschen begrüßen wir einander. Ein kurzer Blick auf Schmerbäuche, schütteres und graues Haar – vergessen, wir sind in unsere Schulzeit zurückversetzt.
Weist Du noch ...?, Erinnert ihr euch ....?. Die Barrieren der langen Zeit, die zwischen Heute und Schule liegen, sind überwunden.

 

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Wir beginnen unsere 3-Tage-Feier. Viele sind gekommen, auch von weit her (USA, Schweiz), mit einigen Ausfällen war zu rechnen, Schicksal oder Verdrängungen unangenehmer Erinnerungen sind oder mögen die Gründe dafür sein.

brg-waidhofen Nach fast zweistündigem Durcheinandergerede spazierten wir geschlossen in unsere alte Schule. Eine Führung durch den jetzigen Direktor ist angesagt. Das Foto vor dem ehemaligen Eingang gehört dazu.

Direktor HR Dr.Harald Hubatschke hat das Klassenbuch mitgebracht und kontrolliert ob alle da sind. "Hier" antworten wir alle pflichtgemäß, aber gottseidank, fast alle sind gekommen. Der Herr Direktor versichert, sich über unseren Besuch sehr zu freuen, bittet aber um Verständnis, wenn er nicht allzu lange Zeit habe, er sei im Dauerstress und mitten in der mündlichen Matura. Alle sind interessiert und wollen in den Jahresberichten Ihre Namen wiederfinden – ob alles seine Richtigkeit hat.

Nach dem Betreten der Schule kommen gleich vertraute Erinnerungen hoch, aber doch ist vieles anders. Die Schule ist blitzsauber – war es damals nicht unbedingt.
Aber noch etwas anderes fällt auf: Überall an den Wänden hängen Bilder. Mit vielen können wir nichts anfangen, moderne Kunst eben. Originale von etablierten Malern aber auch viele Bilder, die von den Schülern selbst gemalt wurden.
Es wird uns sogar ein kurzer Blick in eine Klasse (wo gibt es so etwas) in der gerade die mündliche Maturaprüfung stattfindet, gestattet.

Erweiterungen des Schulgebäudes, die in den 50 Jahren notwendig gewesen sind, wurden behutsam durchgeführt und passen sich den alten Gebäuden an, so dass man es kaum merkt - auf einen klotzigen Glaszubau wurde gottseidank verzichtet. Waidhofen-4 Maturantentreffen Alle sind beeindruckt von der modernen Ausstattung unserer "alten" Schule – überall Computer, Projektoren, Beamer, eine Kantine, eine kleine Küche – das alles hat es zu unserer Zeit nicht gegeben.
Besonders Wert wird hier in Waidhofen auf Disziplin gelegt – Vandalenakte unbekannt. Nur in der Garderobe beim Turnsaal wurde eine Überwachungskamera montiert, so dass Studentenstreiche – verstecken der Turnschuhe usw. – erschwert werden. Jetzt ist auch hier Ruhe. Ein erster Blick auf die Uhr, wir sind schon ein wenig müde – 3 Stunden - und der Direktor möchte uns immer noch etwas zeigen.

Er verabschiedet uns mit der Versicherung, dass wir hier eine Dauer-Eintrittskarte besitzen. Ob wohl alle dieser Einladung Folge leisten werden ? – schließlich haben manche noch immer Albträume, die Matura noch einmal machen zu müssen.
Nach einer kurzen Ruhepause machen wir uns auf dem Weg zum Abendessen.

Den nächsten Tag beginnen wir mit einem Ausflug nach Tschechien in die Stadt Telc. Dass eine aus unserer Runde den Pass vergessen hat, den ihr der liebevolle Gatte an die Grenze nachbringen muss (40 km), führen wir nicht auf ihr Alter zurück, sondern auf die vielen Termine heutiger Pensionisten. Telc-3 Telc-2 Telc wurde als Ziel nicht nur gewählt, weil es - ich zitiere unseren Organisator - mit Sicherheit den schönsten Renaissanceplatz in Mitteleuropa aufweist und die Partnerstadt von Waidhofen ist, sondern auch weil sie in einer Gegend liegt, die uns in Gymnasialzeiten genau so bekannt war wie das Innere von Sibirien. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Zlabings durften wir uns im Hause eines Kollegen mit Getränken und einer Jause laben, denn in Telc hatte die Güte des Mittagessens den niedrigen Preisen voll entsprochen . . . Waidhofen-6 Waidhofen-7 Der Tag findet in einem Wirtshaus in der Umgebung von Waidhofen (ehemals auch Zielpunkt für viele Gymnasiasten) bei Hausmannskost den Ausklang. Da werden nochmals kurz Lebensläufe, Kinder und Enkelkinder besprochen, aber noch viel wichtiger: Es kommen besondere Erinnerungen hoch. Für uns Waldviertler war das BRG immer schon unsere Schule gewesen, etwas anderes kam uns überhaupt nicht in den Sinn.
Dass dies nicht bei allen der Fall war mussten wir später erleben.
Ein Schülerheim, ein Konvikt für Knaben – liebevoll KZ genannt – war unserer Schule angeschlossen. Einige unserer Mitschüler durften (mussten) dort logieren. Nach ihren Worten hat der Ablauf unserer Feier - die herzliche Beziehung untereinander - vieles ins rechte Lot gerückt, was vorher eher schmerzlich in Erinnerung war.
Die KZ`ler waren nämlich vielfach von überforderten Eltern "abgeschobene" Jugendliche oder solche, die mehrfach Anläufe und Versuche benötigten, um zur Matura zu kommen. Damit war auch der Eindruck verbunden: Jetzt sind wir ins äußerste Eck, an den A .... der Welt verbannt (Eiserner Vorhang knapp dahinter!), wer getraut sich in guter Gesellschaft in Wien schon zu gestehen, dass er in Waidhofen maturiert hat ...?

Der Eindruck, den die alte Schule diesmal gemacht hat, die Karrieren der Absolventen, nicht zu vergessen solche von Klassenkollegen (und eigene) hat sie mit ihrem ehemaligen Schicksal versöhnt und es gibt für sie nichts mehr zu verschweigen - jetzt hatten sie das Gefühl in einer Eliteschule gewesen zu sein.

Die letzte Station unserer Reise in die Vergangenheit beschließen wir mit einem Brunch im Haus eines Kollegen – die Wortwahl zeigt, wir schwelgen nicht nur in Nostalgie, wir sind voll im Trend !
Beim Abschied sind wir alle einer Meinung - herzlichen Dank an unsere beiden Reiseleiter - und - so eine Feier muss bald wiederholt werden !

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